Der Kinotipp von Alex Oberholzer

Diese Woche neu im Kino: T2 Trainspotting und Ma Vie De Courgette

Ma Vie De Courgette (Kinostart: 16.2.2017)

Den Schweizer und den europäischen Filmpreis hat er gerade gewonnen, jetzt erobert der Walliser Regisseur Claude Barras Hollywood. 

Er dauert 66 Minuten, ist für den Oscar nominiert und entzückt die Menschen überall. Der Stop-Motion-Film mit Icare, dem neunjährigen Jungen mit den grossen Kulleraugen, der nach dem Tod seiner Mutter ins Waisenhaus muss. Dort trifft er auf andere Kinder, die keiner mehr liebt. Doch untereinander habens die Kids gar nicht so schlecht, und als Camille einzieht, kommt Icares Herz wieder richtig in Schwung. Ein ernstes Thema, mit grosser Leichtigkeit und wundersamer Poesie umgesetzt. 

Unser Kinoexperte Alex Oberholzer gibt 4 von 5 Sternen. 

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T2 Trainspotting (Kinostart: 16.2.2017)

Das Original hatte die Wucht eines Heroin-Flashs und ist längst Kult. Jetzt inszenierte Danny Boyle mit dem gleichen Team das Sequal. 

Zwanzig Jahre nach ihrem Husarenritt erwischt es Ex-Junkie Renton: Herzinfarkt im Fitnessstudio. Typisch für Mitte vierzig. Er kehrt zurück nach Edinburgh. Und dort trifft er sie wieder: Spud und Sick Boy. Aber auch Begbie. Der wird gerade aus dem Gefängnis entlassen und will sich an seinen Kumpels rächen, die ihn damals verraten haben. So wird aus dem punkigen No-Future-Manifest von damals ein launiger Rache-Klamauk, aus der ätzenden Sozialsatire ein Nostalgie-Movie mit gealterten Jungs. Mit Ewan McGregor und Robert Carlyle.

Unser Kinoexperte Alex Oberholzer gibt 3 von 5 Sternen. 

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Fifty Shades Darker (Kinostart: 9.2.2017)

Der Vorläufer spielte über 500 Millionen Dollar ein, also geht die Lack & Leder-Orgie unter der Regie von James Foley in die zweite, etwas dunklere Runde. 

Zumindest behauptet das der Titel. Jamie Dornan und Dakota Johnson stöhnen, hecheln und winseln zwar erneut und werden sogar fachkundig unterstützt von 9½ Weeks-Star Kim Basinger, doch Eros und Leidenschaft explodieren nicht. Da wird SM familientauglich. Der existentielle Schrei zwischen Lust und Schmerz verkommt zum fröhlichen Japser. So bleibt‘s beim müden Verrenken im Schöner-Wohnen-Dekor, weder anzüglich noch frivol oder gar fesselnd. Das grösste Lob gehört dem Innendekorateur. 

Unser Kinoexperte Alex Oberholzer gibt 2 von 5 Sternen. 

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Manchester by the sea (Kinostart: 2.2.2017)

Mit sechs Nominationen – darunter bester Film und beste Regie – geht Kenneth Lonergans Drama mit guten Chancen ins Oscar-Rennen.

Lee Chandler, ein schweigsamer Einzelgänger, kümmert sich als Hauswart um einen Wohnblock in Boston. Als sein Bruder überraschend stirbt, soll Lee die Verantwortung für seinen 16-jährigen Neffen übernehmen. Widerwillig kehrt Lee darum in seine Heimat, die Hafenstadt Manchester by the Sea, zurück und wird dort mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Was so unspektakulär tönt, kommt mit grosser emotionaler Wucht. Der Film ist eine Art Anleitung zum Weiterstolpern über all die grossen Steine, welche einem das Leben in den Weg legt. Casey Affleck führt uns dahin, wo wir nie hinschauen wollen, und lässt uns das fühlen, was wir hoffentlich nie selbst erleben müssen. Ausser im Kino.

Unser Kinoexperte Alex Oberholzer gibt 5 von 5 Sternen. 

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Usgrächnet Gähwilers (Kinostart: 26.1.2017)

Martin Guggisbergs Komödie beweist: Frauen bleiben auch im Alter scharf, Männer werden müde und flüchten in die Politik.

Die Gähwilers sind Bünzlis: Haus mit Umschwung, Zweitwagen, Reisen an exotische Orte. Therese hat ihre Kunst, Ralph will in die Lokalpolitik. Alles proper und piekfein – bis der sudanesische Gartengehilfe von der Leiter fällt. Weil er illegal in der Schweiz ist, muss er notfallmässig im Haus versteckt werden. Und dies wenige Tage vor den Wahlen. Toll gespielte Provinz-Posse voller Klischees und einer derart dick aufgeschmierten Biederkeit, die einem jedes Schmunzeln abwürgt. Mit Ruth Schwegler, Philippe Nauer und David Wurawa. 

Unser Kinoexperte Alex Oberholzer gibt 3 von 5 Sternen. 

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Hacksaw Ridge (Kinostart: 26.1.2017)

Mel Gibsons Heldenepos ist in den beiden wichtigsten Kategorien für einen Oscar nominiert: bester Film und beste Regie.

Erzählt wird die wahre Geschichte des Desmond Doss (Andrew Garfield), der im Zweiten Weltkrieg in Japan als Sanitäter diente. Nach der Erstürmung von Hacksaw Ridge bleibt der bis zur Schmerzgrenze überzeugte Pazifist als Letzter auf dem Schlachtfeld zurück und bringt in einer übermenschlichen Kraftanstrengung etwa 75 schwer verletzte Kameraden in Sicherheit. Heroischer Heldenkult, aufgepeitscht mit einem explosiven Cocktail aus Glaube und Gewalt.

Unser Kinoexperte Alex Oberholzer gibt 3 von 5 Sternen. 

 

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Personal Shopper (Kinostart: 12.1.2017)

Der etwas andere Geisterfilm mit Twilight Star Kirsten Stewart, inszeniert von Olivier Assayas.

Maureen hat ein Flair für Mode und einen ungewöhnlichen Job: Sie ist die persönliche Einkäuferin einer arroganten Society-Lady. Eigentlich mag sie ihre Arbeit nicht, doch sie ermöglicht es ihr, in Paris zu sein. Denn Maureen versteht sich als Medium und hofft, hier ein Zeichen ihres verstorbenen Zwillingsbruders zu empfangen. Tatsächlich bekommt sie plötzlich Textnachrichten von einer unbekannten Nummer - und gerät in einen Strudel mysteriöser Ereignisse. Subtile, eigenwillige Charakterstudie über Verlust und Selbsterkenntnis sowie die Suche nach Orientierung in einer schwierigen Zeit. Differenziert und nuanciert: Kirsten Stewart.

Unser Kinoexperte Alex Oberholzer gibt 4 von 5 Sternen. 

 

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LA LA Land (Kinostart: 12.1.2017)

Mit sieben Golden-Globes gilt das Film-Musical von Whiplash-Regisseur Damien Chazelle als grosser Oscar-Favorit. 

Zwei unverbesserliche Träumer basteln an ihrem Glück: Mia will als Schauspielerin in Los Angeles Fuss fassen, Jazzpianist Sebastian möchte einen eigenen Club eröffnen. Doch vorerst lernen sich die beiden Nobodies an einer Party kennen, flirten, träumen und heben immer wieder ab. Singend und tanzend erobern sie die Welt, verlieren einander aus den Augen, nicht aber aus dem Sinn. Hinreissendes Film-Musical mit riesengrossen Gefühlen und dem unwiderstehlichen Traumpaar Ryan Gosling und Emma Stone. 

Unser Kinoexperte Alex Oberholzer gibt 4 von 5 Sternen. 

 

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Passengers (Kinostart: 5.1.2017)

Der Norweger Morton Tyldum schickt Jennifer Lawrence und Chris Pratt durchs All. Hollywood gab ihm dafür ein 120 Millionen Dollar-Budget.

Ein Raumschiff mit 5000 Menschen an Bord rast über Jahrzehnte durchs All zu einem fremden Planeten. Wegen eines technischen Defekts erwachen ein Mechaniker und eine Journalistin 90 Jahre zu früh aus dem Kälteschlaf. Dabei machen die beiden eine Entdeckung, welche das Leben sämtlicher Passagiere bedroht. Es beginnt ein rasender Wettlauf mit der Zeit. Interstellares Kammerspiel mit spacigen und romantischen Effekten. 

Unser Kinoexperte Alex Oberholzer gibt 3 von 5 Sternen. 

 

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Assassin's Creed (Kinostart: 27.12.2016)

In dieser Game-Verfilmung führt nicht der Joystick Regie, sondern Justin Kurzel.

Der Film zu einem der erfolgreichsten Action-Video-Games aller Zeiten. Michael Fassbender spielt einen Kriminellen, der in die Auseinandersetzungen zwischen den Templern und den Assassinen verwickelt wird. Mit dem implantierten Wissen seines Vorgängers reist er zurück in die Zeit der spanischen Inquisition, um die Gegenwart zu verändern. Und das macht er mit genau dem, was auch das Game so erfolgreich werden liess: mit Schleichen, Klettern und Templer-Metzeln. 

Unser Kinoexperte Alex Oberholzer gibt 3 von 5 Sternen. 

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Allied – Vertraute Freunde (Kinostart: 29.12.2016`)

Regie-Altmeister Robert Zemeckis mixt Liebe mit Spionnage mit Hollywoods Traumpaar Brad Pitt und Marion Cotillard. 

Marokko, 1942: Der kanadische Geheimdienstoffizier Max Vatan (Brad Pitt) soll in Casablanca gemeinsam mit der französischen Résistance-Kämpferin Marianne Beausejour (Marion Cotillard) den deutschen Botschafter ermorden. Die Attentäter tarnen sich als Ehepaar, erfüllen den Auftrag und verlieben sich. Doch nach der Heirat verdüstert sich das Familienglück. Marianne gerät unter Verdacht, eine Doppelagentin und deutsche Spionin zu sein. Max will Gewissheit und setzt alles auf eine Karte. Ein Melodram alter Schule mit Thrill in der Liebe und auf dem politischen Parkett. 3 

Unser Kinoexperte Alex Oberholzer gibt 3 von 5 Sternen. 
 
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Vaiana (Kinostart: 22.12.2016)

Der Disney-Weihnachtsfilm 2016 startet rund um den Erdball, auch in 90 Schweizer Kinos.

Der Film entführt in eine traumhaft schöne Inselwelt: Eigentlich dürfte niemand das kleine Südsee-Inselchen verlassen. Doch die kleine Vaiana treibt eine grosse Sehnsucht. Als eines Tages die Nahrung knapp wird, setzt sie sich über alle Verbote hinweg, reist aufs Meer hinaus und rettet mit Hilfe des Halbgotts Maui die Welt. Grosses Südsee-Abenteuer, perfekt animiert mit sympathischen Figuren und geschmückt mit ozeanischen Melodien. 

Unser Kinoexperte Alex Oberholzer gibt 4 von 5 Sternen. 

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Nocturnal Animals (Kinostart: 22.12.2016)

Sieben Jahre nach seinem Erstling «A Single Man» überrascht der ehemalige Mode-Designer Tom Ford jetzt mit einem Psycho-Horror-Streifen.

Die Galeristin Susan (Amy Adams) führt in Los Angeles ein privilegiertes, etwas eintöniges Leben. Eines Tages erhält sie ein Manuskript, geschrieben von ihrem Ex Mann Edward (Jake Gyllenhaal), mit dem sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hat. Der Roman erzählt von einem brutalen Überfall und bildet den totalen Kontrast zu Susans steriler Kunstwelt. Doch hat er viel mehr mit ihr zu tun, als sie ahnt. Ein verstörender Alptraum, beklemmend und abgründig, mit Bildern, die man nicht mehr los wird und einem radikalen Schluss. 

Unser Kinoexperte Alex Oberholzer gibt 4 von 5 Sternen. 

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Shut In (Kinostart: 15.12.2016)

Thriller von Farren Blackburn mit dem britischen Superstar Naomi Watts als verstörte Kinderpsychologin.

Zurückgezogen von der Zivilisation kümmert sich die Kinderpsychologin Mary um ihren pflegebedürftigen Stiefsohn, der seit einem Autounfall komplett gelähmt ist. Als sich die Witwe entschliesst, einen Waisenjungen bei sich aufzunehmen, schöpft sie neuen Lebensmut. Und den braucht sie auch. Denn statt Friede und Freude herrscht bald das nackte Chaos. Völlig überkonstruierter Psychothriller mit lauten Effekten und einer bedauernswerten Naomi Watts.

Unser Kinoexperte Alex Oberholzer gibt 2 von 5 Sternen. 

 

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Welcome to Norway (Kinostart: 15.12.2016)

In Rune Denstad Langlos Komödie landet eine Busladung Schwarzafrikaner in der verschneiten Bergwelt von Norwegen.

Primus, ein Mann im besten Alter, hat schon Verschiedenes probiert – und ist jedes Mal grandios gescheitert. Bei seinem neusten Projekt aber kann eigentlich nichts mehr schief gehen: Für die Aufnahme von Flüchtlingen zahlt der norwegische Staat hohe „Kopfprämien“, und so reaktiviert Primus sein heruntergekommenes Hotel und nimmt eine Busladung Afrikaner auf. Skandinavische Komödie, welche mit Vorurteilen spielt und zeigt, wie die Flüchtlingskrise die verschneite Bergwelt Norwegens aufmischt. 

Unser Kinoexperte Alex Oberholzer gibt 3 von 5 Sternen. 

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ARRIVAL (Kinostart: 8.12.2016)

Nach dem Drogen-Thriller SICARIO und dem Rache-Drama PRISONERS verblüfft Regisseur Denis Villeneuve jetzt mit einem Sci-Fi-Film.

Zwölf mysteriöse Raumschiffe landen zeitgleich in unterschiedlichen Regionen der Welt. Ihre Besatzung und deren Intention - ein Rätsel. Freunde oder Feinde? Ein Elite-Team unter der Leitung einer Linguistin und eines Mathematikers versuchen im Auftrag des Militärs Kontakt herzustellen. Angst greift um sich, die Zeit wird knapp. Anspruchsvolles Sci-Fi-Drama ohne lärmendes Special-Effekt-Gewitter, dafür mit klugen Dialogen und emotionaler Tiefe. 

Unser Kinoexperte Alex Oberholzer gibt 4 von 5 Sternen. 

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I, DANIEL BLAKE (Kinostart: 8.12.2016)

Stephen Frears schleudert eine schallende Ohrfeige gegen das britische Sozialsystem.

Daniel Blake hat sein Leben lang als Schreiner in Newcastle gearbeitet. Nach einem Herzinfarkt ist er zum ersten Mal auf staatliche Hilfe angewiesen. Auf dem Amt trifft er Katie mit ihren beiden Kindern. Sie freunden sich an, kämpfen bald gemeinsam gegen die Fallstricke der Bürokratie – und ums Überleben. Emotionales, berührendes Sozialdrama, welches der geballten Kälte des britischen Wohlfahrtssystems den puren Humanismus entgegenschleudert. 

Unser Kinoexperte Alex Oberholzer gibt 4 von 5 Sternen. 

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